Das Plattenepithelkarzinom, auch Spinaliom oder Stachelzellkrebs

Zuletzt aktualisiert: 14.02.2024 | Autor: Carola Berking

Häufigkeit

Jährlich werden in Deutschland über 40.000 Neuerkrankungen des Plattenepithelkarzinoms der Haut verzeichnet. Hierbei sind Männer häufiger als Frauen betroffen.

Das durchschnittliche Erkrankungsalter der Betroffenen liegt bei über 70 Jahren.

Entstehung

Das Plattenepithelkarzinom der Haut entsteht aus Keratinozyten (hornbildende Zellen) der Oberhaut (Epidermis), die aufgrund von Mutationen (Veränderungen im genetischen Code DNA) anfangen, unkontrolliert zu wachsen.

Bei dieser Hautkrebsart ist der Zusammenhang zwischen chronischer UV-Strahlung und Entstehung des Krebses am größten. Meist entsteht das Plattenepithelkarzinom auf schwer sonnenlichtgeschädigter Haut. Vorstufen sind die aktinische Keratose oder die Bowen-Krankheit (Morbus Bowen).

Bei den Vorstufen handelt es sich noch nicht um den voll ausgebildeten Krebs, da die schon in Richtung Bösartigkeit veränderten Zellen noch oberflächlich liegen und nicht die Grenze von der Oberhaut zur Lederhaut (Basalmembran) durchbrochen haben. Nicht jede Vorstufe muss sich in ein Plattenepithelkarzinom entwickeln, aber mit zunehmender Anzahl dieser Vorstufen erhöht sich auch das Risiko der Karzinomentstehung. Bei Diagnose einer aktinischen Keratose oder der Bowen-Krankheit wird daher empfohlen diese zu behandeln.

Das Plattenepithelkarzinom selbst wächst an der Stelle weiter, wo es entstanden ist. Zusätzlich können weitere Tumoren an anderen Stellen entstehen.

Verlauf

Der Verlauf des Plattenepithelkarzinoms kann sich von Fall zu Fall unterscheiden. Bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems), beispielsweise durch Medikamente oder eine Infektionskrankheit, treten die Karzinome früher und häufiger auf und der Verlauf ist besonders aggressiv. Das betrifft besonders Patienten, die aufgrund einer Organtransplantation Medikamente einnehmen müssen, die das Immunsystem unterdrücken, damit das Transplantat nicht abgestoßen wird.

Wenn das Plattenepithelkarzinom nicht behandelt wird, kann es zum Einwuchs in tiefere Gewebeschichten kommen. In diesen Fällen können Knorpel, Knochen und Organe wie beispielsweise die Augen befallen werden. Dies führt zu Komplikationen und erfordert eine komplexere Behandlung.

5 % der diagnostizierten Plattenepithelkarzinome sind bereits fortgeschritten und können deshalb lebensgefährlich sein. Sie metastasieren in die Lymphknoten, Lungen oder ferner liegende Organe.

Tumore unter einer Größe von 1 cm haben sehr gute Heilungschancen. Wenn das Plattenepithelkarzinom nicht behandelt wird und fortschreitet, kann es schwer behandelbar werden und eine Gefahr darstellen.

Das Plattenepithelkarzinom der Haut, auch spinozelluläres Karzinom, Spinaliom, Stachelzellkrebs, Epithelioma spinocellulare oder Plattenepithelkrebs genannt, ist die zweithäufigste Hautkrebsart.

Das Plattenepithelkarzinom

Tumore unter einer Größe von 1 cm haben sehr gute Heilungschancen.
Wenn das Plattenepithelkarzinom nicht behandelt wird und fortschreitet, kann es schwer behandelbar werden und eine Gefahr darstellen.
INTERESSENSKONFLIKTE

 Der Autor/die Autorin hat keine Interessenskonflikte angegeben.


Symptome des Plattenepithelkarzinoms

Zuletzt aktualisiert: 14.02.2024 | Autor: Carola Berking

Vorstufe aktinische Keratose

Die Hautveränderung aktinische Keratose gilt als Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms. Aktinische Keratosen fühlen sich wie Sandpapier an. Die Haut ist rauh mit rötlichen oder bräunlichen Flecken und leichter Schuppung oder Hornauflagerungen. Obwohl noch kein Krebs entstanden ist, wird empfohlen, die aktinische Keratose zu entfernen.

In manchen Fällen kann das Plattenepithelkarzinom auch aus Narben oder chronischen Wunden entstehen.

Entwicklung zum Krebs

Die Weiterentwicklung zum Krebs verläuft ohne klare Abstufungen: Es findet eine zunehmende Verhornung statt und der Tumor wächst nach oben und in die Tiefe. Oftmals haftet eine rötliche, braun-gelbliche Hornkruste fest. Sobald versucht wird, diese zu lösen, fängt sie an zu bluten.

Manchmal zeigt sich das Plattenepithelkarzinom als schorfige, verkrustete Wunde. Die betroffene Stelle ist oft empfindlich.

Das Plattenepithelkarzinom tritt vor allem auf sonnenexponierten Hautstellen auf, zu 80 % im Gesicht und auf der Kopfhaut.
Das Plattenepithelkarzinom kann leicht mit dem Basalzellkarzinom verwechselt werden.
INTERESSENSKONFLIKTE

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Behandlung des Plattenepithelkarzinoms

Zuletzt aktualisiert: 14.02.2024 | Autor: Carola Berking

Therapieoptionen beim Plattenepithelkarzinom

Operation
Die in erster Linie empfohlene Standardtherapie ist die vollständige operative Entfernung des Tumors. Gerade kleinere Tumoren (unter 1 cm) können meist vollständig entfernt werden und haben sehr gute Heilungschancen.

Strahlentherapie
Als Alternative zur Operation kommt die Strahlentherapie in Frage, die auch postoperativ (nach einer Operation) bei Vorhandensein gewisser Risikomerkmale oder bei Rückfällen (Rezidiven) oder bei Inoperabilität (Operation nicht möglich aufgrund der Ausdehnung und Lokalisation des Tumors oder aufgrund des Zustands des Patienten) eingesetzt wird.

Elektrochemotherapie
Große knotige Tumoren oder tastbare Metastasen in der Haut können mit der Elektrochemotherapie behandelt werden. Dabei wird örtlich eine Chemotherapie angewendet, die stark verdünnt als Infusion verabreicht und im Tumor hochkonzentriert aufgenommen wird durch das Auslösen von elektrischen Impulsen über Sonden, die der Chirurg in den Tumor unter laufender Narkose einsticht.

Chemotherapie
Tumoren mit Lymphknotenbefall und/ oder Metastasen in anderen Organen (z.B. Lunge) können mit Chemotherapie behandelt werden. In der Regel sprechen Plattenepithelkarzinome gut darauf an, allerdings kommt es häufig zu Rückfällen.

Immuntherapie
Beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Plattenepithelkarzinom kommt als erste Option eine Immuntherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (PD1-Antikörpern) als bisher einzige zugelassene medikamentöse Therapie in Frage. Sie wird in Form von Infusionen im Abstand von 3-6 Wochen über mehrere Monate verabreicht.

Äußerlich anzuwendende Arzneimittel
Zur Behandlung von aktinischen Keratosen können äußerlich anzuwendende (topische) Arzneimittel zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich meistens um Cremes oder Gele, die regelmäßig auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Das Plattenepithelkarzinom selbst wird in der Regel nicht mit äußerlichen Arzneimitteln behandelt.

Das Plattenepithelkarzinom wird in erster Linie operativ entfernt. Ist eine Operation nicht möglich, wird häufig die Strahlentherapie eingesetzt. Im fortgeschrittenen Stadium kann mit systemischer medikamentöser (Chemo-)Therapie behandelt werden.
Abhängig von der Erkrankung kann z. B. auch mit Licht, Kälte oder anderen Verfahren behandelt werden.
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Systemtherapie des Plattenepithelkarzinoms

Zuletzt aktualisiert: 20.12.2021 | Autor: Ulrike Leiter-Stöppke

Für fortgeschrittene und metastasierte Plattenepithelkarzinome , die durch Lokaltherapie wie Operation oder Bestrahlung nicht mehr behandelbar sind, ist seit 2019 die Immuntherapie mit dem PD-1-Antikörper Cemiplimab zugelassen. Sie wird in Form von Infusionen im Abstand von 3 Wochen über mehrere Monate verabreicht. Mit diesem Medikament wird eine Ansprechrate von 44-50% mit einer langen Ansprechdauer erreicht (Median > 12 Monate)[1]. Das bedeutet, dass bei 44-50% der Behandelten ein teilweiser oder kompletter Rückgang des Tumors beobachtet wird. Ähnliche Ansprechraten zeigen Studien mit dem PD-1-Antikörper Pembrolizumab.

In aktuellen Studien wird der adjuvante[2] Einsatz von PD-1-Inhibitoren[3] bei Patienten mit Plattenepithelkarzinomen mit einem hohen Risiko für ein Wiederauftreten oder Fortschreiten der Erkrankung im Vergleich zu Placebo (= Scheinmedikament, ohne aktiven Wirkstoff) untersucht. Das bedeutet, dass im ersten Schritt das Plattenepithelkarzinom vollständig operativ entfernt wird. Im zweiten Schritt erhält der Patient einen PD-1-Inhibitor als Unterstützung, um das Risiko eines Rezidivs (= Wiederauftreten) zu senken.

Eine internationale Studie zum neoadjuvanten Ansatz mit 79 Patienten wurde im September 2022 publiziert. Hierunter wurden 4 Zyklen Cemiplimab vor der geplanten Operation verabreicht, um den Tumor gezielt vor der Operation zu verkleinern und eine Immunabwehr gegen den Tumor hervorzurufen. Hierbei zeigte sich bei 40 Patienten ein komplettes Ansprechen (es wurden nach Entfernen des Tumors keine vitalen Tumorzellen mehr nachgewiesen) und bei 10 Patienten ein partielles Ansprechen, d.h. es wurden im entfernten Tumorgewebe weniger als 10% vitale Tumorzellen nachgewiesen. Da 64% der Behandelten vom neoadjuvanten Einsatz der Anti-PD1-Therapie profitierten, wird dieser Ansatz in Zukunft eine interessante Therapieoption darstellen.

Die Kombination von Avelumab (PD-L1-Inhibitor) und dem EGFR-Inhibitor Cetuximab[4] wird derzeit in einer Studie bei inoperablen fortgeschrittenen Tumoren untersucht.

Vor der Zulassung von Cemiplimab wurden verschiedene Chemotherapien und EGFR-gerichtete Antikörper alleine oder in Kombination eingesetzt. Daten aus Studien zu den medikamentösen Therapien sind in der u.g. Tabelle zusammengefasst. Für Patienten, die für eine Therapie mit Checkpointinhibitoren[5] nicht oder nur sehr eingeschränkt in Frage kommen (z.B. Organtransplantierte), werden diese Schemata empfohlen. Für diese Patienten gibt es bisher leider wenig neue therapeutische Entwicklungen.

[1] Median - Mittel- oder Zentralwert eines Datensatzes
[2] Adjuvante - ergänzende oder unterstützende Behandlungsmaßnahmen
[3] Inhibitor - (Hemm-)Stoff, der Reaktionen verlangsamt oder verhindert
[4] EGFR - Abkürzung von Englisch Epidermal Growth Factor Receptor (EGFR), ein Protein mit Signalwirkung in der Zelle
[5] Immuncheckpoint-Inhibitoren - Link/Verweis auf das Kapitel darüber resp. über ggf. Immuntherapien

Tabelle 1: Systemtherapie-Daten aus prospektiven klinischen Studien*Cisplatin, Carboplatin, Paclitaxel, Doxorubicin, 5-Fluorouracil
TherapieLinieStudienphaseAnsprechratenAnsprechdauer
(Median Monate)
PD1-InhibitorenJede lokal fortgeschrittene bzw. metastasierte Tumoren234-50%Nicht erreicht
EGFR-Inhibitoren1., 2. Lokal fortgeschrittene und metastasierte Tumoren1-228-45%6-8
Chemotherapie*214-84%8,6-12
Für die Systemtherapie ist der PD-1-Antikörper Cemiplimab zugelassen, der ein gutes und langes Ansprechen zeigt. Dieser sollte als erste Therapiewahl angeboten werden.
Bei Fortschreiten (= Progress) unter Behandlung mit einem PD‐1‐Antikörper oder wenn ein PD-1-Antikörper nicht gegeben werden darf, stehen verschiedene Chemotherapien und EGFR-gerichtete Antikörper alleine oder in Kombination zur Verfügung.
Klinische Studien zur adjuvanten Therapie werden aktuell durchgeführt.
Eine Studie zur neoadjuvanten Therapie zeigte einen hohen Nutzen mit einem nahezu kompletten Ansprechen bei 64% der Behandelten, so dass dies in Zukunft eine weitere Option darstellen könnte.
  • REFERENZEN
    • [1] Leiter U et. Al. (2020) S3 guideline for actinic keratosis and cutaneous squamous cell carcinoma (cSCC) - short version, part 2: epidemiology, surgical and systemic treatment of cSCC, follow-up, prevention and occupational disease. J Dtsch Dermatol Ges
    • [2] Migden MR et. Al (2018) PD-1 Blockade with Cemiplimab in Advanced Cutaneous Squamous-Cell Carcinoma. N Engl J Med 379:341-351
    • [3] Hillen U et al. (2018) Advanced cutaneous squamous cell carcinoma: A retrospective analysis of patient profiles and treatment patterns-Results of a non-interventional study of the DeCOG. Eur J Cancer 96:34-43
    • [4] Gross ND et al, n engl j med 387;17 nejm.org october 27, 2022.
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Nachsorge beim Plattenepithelkarzinom

Zuletzt aktualisiert: 14.02.2024 | Autor: Carola Berking

Nachsorge-Intervalle

Die Intervalle der Nachsorge richten sich nach Risikowahrscheinlichkeit, dass der Tumor an derselben Stelle wieder auftritt (Rezidiv) oder metastasiert.

Das Risiko ist bei jedem Patienten unterschiedlich. Es ist zum Beispiel davon abhängig, wie weit das Plattenepithelkarzinom fortgeschritten war, welche Behandlungsmethode gewählt wurde oder ob der Patient immunsupprimiert ist (das heißt Medikamente einnehmen muss, die sein Immunsystem unterdrücken, z. B. nach einer Organtransplantation).

Der behandelnde Arzt schätzt das Risiko für den Patienten ein und legt demnach das Intervallschema fest. Es ist abhängig vom individuellen Risiko und vom Zurückliegen der Behandlung.

Jahr 1–2Jahr 3–5Jahr 5–10
Geringes bis mittleres Risiko6-monatlichjährlich-
Hohes Risiko3-monatlich6-monatlichjährlich
Bei der Nachsorge des Plattenepithelkarzinoms ist es wichtig, die vorgesehenen Intervalle einzuhalten.
INTERESSENSKONFLIKTE

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